SSRI — Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
SSRI sind die weltweit am häufigsten verschriebene Klasse von Antidepressiva und die pharmakologische erste Wahl bei Depression und den meisten Angststörungen. Sie wirken, indem sie die Wiederaufnahme von Serotonin an den Synapsen blockieren und dadurch dessen Verfügbarkeit im zentralen Nervensystem erhöhen.
Wichtige SSRI in Deutschland: Sertralin (häufig weltweit eingesetzt), Escitalopram (gute Verträglichkeit), Fluoxetin (der älteste Wirkstoff dieser Klasse), Paroxetin (eher sedierend, nützlich bei Angst mit Schlafstörung), Citalopram.
SSRI benötigen 2–4 Wochen bis zur vollen antidepressiven Wirkung und 4–8 Wochen bis zur vollen anxiolytischen Wirkung. Häufige anfängliche Nebenwirkungen: Übelkeit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit oder Schläfrigkeit, innere Unruhe — meist vorübergehend. Die anhaltendste Nebenwirkung ist die sexuelle Funktionsstörung (betrifft 30–40 % der Anwender:innen). SSRI gelten als sicher für die Langzeitanwendung und machen — anders als Benzodiazepine — nicht abhängig.
Sie unterliegen keiner Betäubungsmittelverschreibung — ein normales Rezept genügt. Die Dosisanpassung und die Wahl des konkreten Wirkstoffs erfolgen gemeinsam mit der Ärztin/dem Arzt.
Praktisches Beispiel
Joanas Psychiater verschrieb ihr 10 mg Escitalopram gegen die Depression. Joana machte sich Sorgen, „für immer Medikamente nehmen zu müssen" — der Arzt erklärte jedoch, der Plan sei, das Mittel mindestens 6 Monate nach Besserung weiter einzunehmen und dann neu zu bewerten. In den ersten zwei Wochen verspürte Joana leichte Übelkeit, die verschwand; in der vierten Woche bemerkte sie erstmals eine Veränderung ihrer Stimmung.
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