Bipolare Störung und Depression
Die bipolare Störung (BS) ist gekennzeichnet durch Episoden, die zwischen Depression und Manie oder Hypomanie wechseln (Zustände mit gehobener Stimmung, gesteigerter Energie, vermindertem Schlafbedürfnis, Größenideen). Es gibt zwei Haupttypen: Bipolar I (mit vollständigen manischen Episoden) und Bipolar II (mit Hypomanie — der milderen Form der Manie — und depressiven Episoden).
Der klinisch entscheidende Unterschied: Bei bipolarer Depression kann die Gabe von Antidepressiva ohne Stimmungsstabilisierer eine Manie oder einen schnellen Phasenwechsel (Rapid Cycling) auslösen — deshalb ist die korrekte Diagnose vor Behandlungsbeginn essenziell. Stimmungsstabilisierer (Lithium, Valproat, Lamotrigin) und manche atypischen Antipsychotika bilden die Basisbehandlung der bipolaren Störung.
Die Diagnose der bipolaren Störung erfolgt häufig spät — im Durchschnitt 8 Jahre nach Symptombeginn. Viele Menschen erhalten zunächst die Diagnose einer Major Depression und entdecken die bipolare Störung erst, wenn nach einem Antidepressivum eine Manie auftritt. Das sorgfältige Screening auf hypomanische Episoden ist wesentlicher Bestandteil jeder Depressionsabklärung.
Praktisches Beispiel
Als der Psychiater Mateus fragte, ob er schon einmal Phasen mit „viel Energie, wenig Schlaf ohne Müdigkeit, schnell fließenden Gedanken und dem Gefühl, alles schaffen zu können" erlebt habe, erinnerte er sich an solche Phasen während des Studiums. Das änderte die Diagnose von Depression zu Bipolar II — und die Behandlung: Lithium statt eines Antidepressivums allein.
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