Doppelte-Empathie-Problem
Das Doppelte-Empathie-Problem ist ein Konzept des autistischen Forschers Damian Milton (2012), das besagt, dass die Kommunikations- und Verständnisschwierigkeiten zwischen autistischen und nicht-autistischen Menschen wechselseitig sind — kein einseitiges Defizit der autistischen Person, sondern eine gegenseitige Unvereinbarkeit in der sozialen Verarbeitung und Kommunikation.
Spätere Studien stützen diese Sichtweise: Autistische Menschen kommunizieren untereinander häufig effektiver als mit nicht-autistischen Menschen. Nicht-autistische Menschen haben ähnliche Schwierigkeiten, autistische Perspektiven und Verhaltensweisen zu verstehen. Die Schwierigkeit des „Lesens" ist gegenseitig — wurde historisch aber ausschließlich der autistischen Person zugeschrieben.
Diese Sichtweise hat wichtige Konsequenzen: Der Fokus von Interventionen sollte auf der Förderung gegenseitigen Verständnisses liegen, nicht nur darauf, dass sich autistische Menschen an neurotypische Muster anpassen. Sie stellt zudem die Annahme infrage, dass der neurotypische Kommunikationsstil der richtige Standard sei, an den sich autistische Menschen anzupassen hätten.
💡 Praktisches Beispiel
In einer Studie, in der Personen unterschiedlicher Gruppen Videos von interagierenden autistischen und nicht-autistischen Menschen bewerteten, beurteilten nicht-autistische Personen die autistischen Personen als weniger sympathisch und kompetent. Autistische Personen, die andere autistische Personen bewerteten, zeigten diese Verzerrung jedoch nicht — ein Hinweis darauf, dass die „Schwierigkeit sozialen Lesens" kontextabhängig und wechselseitig ist.
Wissen in die Praxis umsetzen
Ausgeglichener Geist vereint Werkzeuge, die für den autistischen Geist entwickelt wurden.
Funktioniert direkt im Browser — nichts zu installieren.
Kostenlos starten