Alexithymie
Alexithymie ist die Schwierigkeit, eigene Emotionen zu erkennen, zu benennen und zu beschreiben — die Person spürt etwas, hat aber Schwierigkeiten zu erkennen, um welche Emotion es sich handelt, oder sie von körperlichen Empfindungen zu unterscheiden. „Mir tut der Bauch weh" kann das einzig wahrgenommene Signal dessen sein, was in Wirklichkeit Angst oder Traurigkeit ist.
Alexithymie ist bei autistischen Menschen deutlich häufiger (etwa 50 %) als in der Allgemeinbevölkerung (rund 10 %). Sie bedeutet nicht das Fehlen von Emotionen — sondern die Schwierigkeit, bewusst auf sie zuzugreifen und sie zu benennen. Menschen mit Alexithymie erleben häufig intensive Emotionen, haben aber wenig verbalen Zugang zu ihnen.
Alexithymie hat Auswirkungen auf die Behandlung: Therapieansätze, die stark auf das Erkennen und Benennen von Emotionen setzen (wie klassische Verhaltenstherapie), müssen möglicherweise angepasst werden. Der Einsatz von Gefühlsrädern, die Verknüpfung von Emotionen mit konkreten körperlichen Empfindungen und die Arbeit mit nonverbalem Ausdruck (Kunst, Musik, Bewegung) sind hilfreiche Anpassungen.
💡 Praktisches Beispiel
Auf die Frage „wie fühlst du dich?" antwortet Ricardo ehrlich „ich weiß nicht". Er merkt, dass etwas anders ist (vielleicht bemerkt er, dass er ruhiger ist oder das Herz schneller schlägt), hat aber keinen Zugang zu dem Wort, das den emotionalen Zustand beschreibt. Mit einem visuellen Gefühlsrad gelingt es ihm, auf „frustriert" zu zeigen — was ihm leichter zugänglich ist, als die Bezeichnung spontan zu finden.
Wissen in die Praxis umsetzen
Ausgeglichener Geist vereint Werkzeuge, die für den autistischen Geist entwickelt wurden.
Funktioniert direkt im Browser — nichts zu installieren.
Kostenlos starten