Neuroplastizität und Depression
Neuroplastizität ist die Fähigkeit des Gehirns, seine neuronalen Verbindungen als Reaktion auf Erfahrungen, Lernen und Behandlung zu verändern. Sie ist ein lebenslang fortlaufender Prozess — anders, als man es noch vor einigen Jahrzehnten annahm, als man dachte, das erwachsene Gehirn sei „festgelegt".
Bei Depression ist die Neuroplastizität beeinträchtigt — insbesondere im Hippocampus und im präfrontalen Kortex. BDNF (brain-derived neurotrophic factor), ein Protein, das das Wachstum neuer Neuronen und Synapsen unterstützt, ist bei Depression vermindert. Antidepressiva, körperliche Bewegung, Psychotherapie und EKT erhöhen BDNF und fördern die Neuroplastizität.
Diese Erkenntnis hat das Verständnis der Wirkweise von Antidepressiva verändert: Der therapeutische Effekt besteht möglicherweise nicht nur darin, Neurotransmitter zu „korrigieren", sondern die Fähigkeit des Gehirns zu fördern, sich neu zu organisieren und durch die depressive Episode beeinträchtigte Funktionen wiederherzustellen. Das erklärt auch, warum die Wirkung Wochen braucht — synaptische Plastizität geschieht nicht sofort.
Praktisches Beispiel
„Warum braucht das Antidepressivum drei Wochen, um zu wirken, wenn Depression doch chemisch ist?" Der Psychiater erklärte Thais, dass Antidepressiva nicht nur unmittelbar Neurotransmitter erhöhen — sie fördern das Wachstum neuer Verbindungen im Gehirn (Neuroplastizität), ein Prozess, der Wochen dauert. Es ist wie Physiotherapie für das Gehirn.
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