Ist ADHS bei Frauen anders?
Ja. Frauen mit ADHS zeigen häufig ein eher „nach innen gerichtetes" Bild (überwiegend Unaufmerksamkeit, Angst, geringes Selbstwertgefühl) statt des „nach außen gerichteten" Bilds (Hyperaktivität, Impulsivität) — was zur Unterdiagnose führt.
ADHS bei Frauen und Mädchen wird systematisch unterdiagnostiziert, weil das Erscheinungsbild oft nicht dem Stereotyp des „hyperaktiven Jungen" entspricht. Frauen und Mädchen mit ADHS zeigen tendenziell:
Mehr Unaufmerksamkeit und weniger sichtbare Hyperaktivität (Unaufmerksamkeit ist eher nach innen gerichtet und fällt der Umgebung weniger auf).
Häufiger begleitende, ebenfalls nach innen gerichtete Beschwerden: Angststörungen und Depression sind bei Frauen mit ADHS deutlich häufiger, und oft werden diese Diagnosen zuerst gestellt — ohne dass das zugrunde liegende ADHS erkannt wird.
Stärkeres Masking: Mädchen sind oft sozial stärker motiviert und besser darin, Schwierigkeiten zu kompensieren und zu verbergen — das verzögert die Diagnose, hat aber einen hohen Preis (Erschöpfung, geringes Selbstwertgefühl, weil das, was anderen leicht fällt, „einfach nicht gelingt").
Späte Diagnose: Die meisten Frauen mit ADHS werden erst im Erwachsenenalter diagnostiziert, oft nach Jahren einer Behandlung wegen Angst oder Depression, die nur teilweise wirkt, weil das zugrunde liegende Problem nicht adressiert wird.
Das Hormon Östrogen interagiert mit dem dopaminergen System — das bedeutet, dass hormonelle Schwankungen (Menstruationszyklus, Schwangerschaft, Wochenbett, Wechseljahre) die ADHS-Symptome spürbar beeinflussen können.
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