Diese Seite dient der Information. Nur eine qualifizierte Fachperson im Gesundheitswesen (Psychiater/in, Neurolog/in oder Psycholog/in) kann ADHS diagnostizieren. Nutzen Sie diesen Inhalt nicht als Ersatz für eine ärztliche Konsultation.
Wie man eine ADHS-Diagnose bekommt
Die ADHS-Diagnose ist klinisch und wird von spezialisierten Fachpersonen gestellt. Dieser Leitfaden erklärt, wer diagnostizieren darf, wie der Prozess abläuft, welche Instrumente verwendet werden und wie man über die gesetzliche Krankenversicherung oder privat Zugang bekommt.
Wer kann ADHS diagnostizieren?
Psychiater/in
Fachperson für psychische Gesundheit. Diagnostiziert und verschreibt kontrollierte Medikamente (Methylphenidat, Lisdexamfetamin). Die am besten geeignete Fachperson für Erwachsene mit ADHS-Verdacht.
Neurolog/in
Fachperson für das Nervensystem. Diagnostiziert und verschreibt ebenfalls bei ADHS, besonders bei Kindern. Viele Eltern beginnen bei der Kinderneurologie.
Psycholog/in
Führt neuropsychologische Testung und Psychotherapie durch. Wirkt bei der Diagnose mit, verschreibt aber keine Medikamente. Die psychologische Testung ergänzt meist die ärztliche Konsultation.
Wie der Diagnoseprozess abläuft
Symptome erkennen und sich informieren
Notieren Sie vor dem Termin konkrete Situationen, in denen die Symptome auftreten: bei der Arbeit, in Beziehungen, bei Alltagsaufgaben. Je konkreter, desto besser. Ein emotionales Tagebuch hilft, diese Beobachtungen zu ordnen.
Fachperson wählen und Termin vereinbaren
Psychiater/innen sind die am besten geeigneten Fachpersonen für ADHS bei Erwachsenen. Auch Neurolog/innen diagnostizieren, besonders bei Kindern. Psycholog/innen führen die neuropsychologische Testung durch und können bei der Diagnose mitwirken, verschreiben aber keine Medikamente.
Klinische Untersuchung durchlaufen
Die Diagnose ist klinisch — sie erfolgt durch ausführliches Gespräch und standardisierte Skalen. Es gibt keinen Bluttest, keine Computertomografie oder MRT, die ADHS diagnostiziert. Die Fachperson untersucht die Kindheitsgeschichte, das aktuelle Funktionsniveau und schließt andere Erkrankungen aus.
Neuropsychologische Testung durchführen (falls angezeigt)
In komplexen Fällen kann eine Batterie neuropsychologischer Tests bei einer spezialisierten Psychologin bzw. einem spezialisierten Psychologen angeordnet werden. Sie beurteilt Arbeitsgedächtnis, Aufmerksamkeit, exekutive Funktionen und IQ. Nicht verpflichtend, aber hilfreich bei schwierigen Diagnosen.
Diagnose erhalten und Behandlung besprechen
Mit der Diagnose bespricht die Fachperson die Behandlungsoptionen: Medikation, Psychotherapie, Coaching oder Kombinationen. Die Diagnose kann auch dokumentiert werden, um Nachteilsausgleiche bei der Arbeit, im Studium oder bei Prüfungen zu beantragen.
Skalen und Instrumente in der Diagnostik
Die ADHS-Diagnose nutzt international standardisierte Kriterien. Die wichtigsten Instrumente sind:
SNAP-IV-Skala
Beurteilt Unaufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-/Impulsivitätssymptome. Häufig bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt.
Conners-Skala
Versionen für Eltern, Lehrkräfte und Selbstauskunft. Beurteilt Symptome in verschiedenen Kontexten.
ASRS (Adult ADHD Self-Report Scale)
WHO-Skala für Erwachsene. Schnelles Screening mit 18 Items basierend auf den DSM-5-Kriterien.
DSM-5-Kriterien
US-amerikanisches Diagnosehandbuch, in Deutschland ergänzend zur ICD-10/ICD-11 verwendet. Verlangt mindestens 5 Symptome von Unaufmerksamkeit und/oder Hyperaktivität, die seit über 6 Monaten, seit vor dem 12. Lebensjahr und in mindestens zwei Lebensbereichen vorhanden sind.
Neuropsychologische Testung
Testbatterie, die Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit und exekutive Funktionen misst. Ergänzend, nicht verpflichtend.
Wichtig: Keines dieser Instrumente legt allein die Diagnose fest. Die Fachperson wertet alle Informationen gemeinsam aus.
Gesetzliche Krankenversicherung oder privat?
GKVÜber die gesetzliche Krankenversicherung
- ✓ Konsultation, Diagnostik und in der Regel verschriebene Medikamente werden übernommen
- ✓ Generika von Methylphenidat sind kostengünstig über die Apotheke erhältlich
- ! Wartezeit: oft mehrere Wochen bis Monate auf einen Facharzttermin
- → Beginnen Sie bei der Hausärztin/dem Hausarzt: um Überweisung zu Psychiatrie oder Neurologie bitten
- → Die Terminservicestelle (116117) vermittelt Facharzttermine innerhalb gesetzlicher Fristen
Priv.Privat oder Selbstzahler
- ✓ Schnelle Terminvergabe: Tage oder Wochen
- ✓ Private Krankenversicherungen übernehmen in der Regel Psychiatrie-Konsultationen
- ! Selbstzahler-Konsultation: mehrere Hundert Euro
- ! Vollständige neuropsychologische Testung: mehrere Hundert bis über tausend Euro (wenn angezeigt)
- → Telemedizin verfügbar — viele Psychiater/innen bieten Online-Termine an
Was Sie zum Termin mitbringen sollten
Häufige Fragen zur Diagnose
Diagnostiziert ein Bluttest oder eine MRT ADHS?
Nein. Die ADHS-Diagnose ist klinisch, sie erfolgt durch Gespräch und Symptombeurteilung. Es gibt keinen Biomarker und kein bildgebendes Verfahren, das die Störung bestätigt. Seien Sie misstrauisch gegenüber Praxen, die teure Untersuchungen als "definitive Diagnose" verkaufen.
Kann man als Erwachsener ADHS haben, ohne je diagnostiziert worden zu sein?
Ja, das ist sehr häufig. Man schätzt, dass mehr als 50 % der Erwachsenen mit ADHS in der Kindheit nicht diagnostiziert wurden. Intelligente Menschen kompensieren die Symptome oft jahrelang, bis sie an ihre Grenzen stoßen. Die späte Diagnose ist besonders bei Frauen häufig.
Wie lange dauert es, über die gesetzliche Krankenversicherung eine Diagnose zu bekommen?
Das ist regional sehr unterschiedlich. Über die Terminservicestelle (116117) kann die Wartezeit auf einen Facharzttermin für Psychiatrie mehrere Wochen bis Monate betragen. Beginnen Sie bei der Hausärztin bzw. dem Hausarzt und bitten Sie um eine Überweisung zur Psychiatrie oder Neurologie.
Was kostet eine private Diagnose?
Ein Termin bei Psychiatrie oder Neurologie zur ADHS-Abklärung kann als Selbstzahlerleistung (IGeL) mehrere Hundert Euro kosten. Eine vollständige neuropsychologische Testung (wenn angeordnet) kann mehrere Hundert bis über tausend Euro kosten. Private Krankenversicherungen übernehmen in der Regel Facharztkonsultationen, gesetzliche Kassen die Regelversorgung nach Überweisung.
Schadet mir die ADHS-Diagnose in irgendeiner Weise?
Rechtlich nicht. Die Diagnose unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht und erscheint in keinen öffentlichen Registern. Sie kann genutzt werden, um rechtliche Nachteilsausgleiche zu beantragen: Zeitverlängerung bei Prüfungen, Anpassungen am Arbeitsplatz und in manchen Fällen einen Schwerbehindertenausweis.