ADHS-Arten
Das DSM-5 (das diagnostische Handbuch der Psychiatrie) unterscheidet drei Erscheinungsbilder von ADHS. Zu verstehen, welche Art bei dir vorliegt, hilft, wirksamere Strategien zu finden.
1. ADHS vom vorwiegend unaufmerksamen Typ
Früher "ADS" genannt (ohne Hyperaktivität)
Gekennzeichnet vor allem durch Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, Aufgaben zu organisieren, Anweisungen zu folgen und Termine nicht zu vergessen. Die motorische Hyperaktivität fehlt oder ist minimal — was häufig zur Unterdiagnose führt, besonders bei Frauen und Erwachsenen.
Hauptsymptome:
- •Vergisst für Aufgaben notwendige Gegenstände (Schlüssel, Unterlagen, Handy)
- •Lässt sich leicht durch äußere Reize oder innere Gedanken ablenken
- •Achtet nicht auf Details — macht Flüchtigkeitsfehler
- •Schwierigkeiten, langen Anweisungen zu folgen oder Aufgaben abzuschließen
- •Wirkt nicht zuzuhören, selbst wenn direkt mit der Person gesprochen wird
- •Vermeidet Aufgaben, die anhaltende geistige Anstrengung erfordern
- •Verliert häufig den Faden des Gesprächs oder Gedankens
2. ADHS vom vorwiegend hyperaktiv-impulsiven Typ
Bei Erwachsenen seltener — Hyperaktivität nimmt tendenziell mit dem Alter ab
Geprägt von übermäßiger motorischer Unruhe, Schwierigkeiten stillzusitzen und impulsivem Verhalten. Die Unaufmerksamkeit ist in geringerem Maß vorhanden. Es ist das sichtbarste Erscheinungsbild und wurde deshalb historisch häufiger bei Jungen diagnostiziert.
Hauptsymptome:
- •Motorische Unruhe: bewegt ständig Hände, Füße oder rutscht auf dem Stuhl herum
- •Schwierigkeiten, in Situationen sitzen zu bleiben, die das erfordern
- •Läuft oder klettert in unpassenden Situationen (Kinder); Gefühl eines "eingeschalteten Motors" (Erwachsene)
- •Redet übermäßig viel
- •Antwortet, bevor die Frage zu Ende gestellt ist
- •Schwierigkeiten, auf die eigene Reihe zu warten
- •Unterbricht Gespräche oder Aktivitäten anderer Personen
3. ADHS vom kombinierten Typ
Der häufigste Typ — etwa 50-70 % der Diagnosen
Zeigt bedeutsame Symptome sowohl von Unaufmerksamkeit als auch von Hyperaktivität-Impulsivität. Es ist das am besten erforschte und häufig im Alltag am stärksten beeinträchtigende Erscheinungsbild, da es die Herausforderungen beider Typen kombiniert.
Kann sich der Typ ändern?
Ja. Es ist häufig, dass die Hyperaktivität im Erwachsenenalter abnimmt, während Unaufmerksamkeitssymptome bestehen bleiben. Eine Person, die in der Kindheit mit dem kombinierten Typ diagnostiziert wurde, kann im Erwachsenenalter ein vorwiegend unaufmerksames Bild zeigen — das bedeutet nicht, dass sich das ADHS "gebessert" hat, sondern nur, dass sich die Erscheinungsform verändert hat.
Häufige Fragen
Welcher Typ ist am schwersten zu diagnostizieren?
Der unaufmerksame Typ, weil er kein sichtbares störendes Verhalten zeigt. Kinder mit diesem Profil werden häufig als "verträumt" oder "faul" bezeichnet, statt zur Abklärung überwiesen zu werden.
Wie erkenne ich meinen Typ ohne Diagnose?
Du kannst dir anhand des auffälligsten Symptommusters eine Vorstellung machen — aber die formale Diagnose erfordert eine fachliche Abklärung. Mach unseren Selbsteinschätzungstest, um zu beginnen.
Beeinflusst der Typ die Behandlung?
Indirekt. Die Basisbehandlung (Medikation + Verhaltensstrategien) ist für alle Typen ähnlich, aber die wirksamsten Strategien können variieren. Wer vorwiegend unaufmerksam ist, profitiert eher von externen Organisationssystemen; wer vorwiegend hyperaktiv ist, von Techniken zur Regulation des Nervensystems.